Fastnachtsglosse
Lieber im Koma als Oma zu werden?
Eine Glosse zum Thema Jugendliche und Alkohol an Fastnacht
Fastnacht eine Zeit, in der man den Winter austreibt, oder hinter einer Maskierung für eine kurze Zeit „Urlaub vom ICH" macht, wird bei uns auch zusehends durch das Bild von stark alkoholisierten Jugendlichen geprägt. So kann man auch eine Auszeit von seinem Ich herbeiführen, wenn es tragisch endet, kommt das Koma.
Bleibt die Frage, was treibt die Jugendlichen zu diesem übermäßigen Konsum von Alkohol, mit der Gefahr für ihr Leib und Leben? Die Antworten darauf mögen vielfältig sein, eine mögliche zynische Antwort wäre: was sollen sie auch anderes machen!
Was bleibt Jugendlichen als Abgrenzung gegenüber der Erwachsenenwelt, wenn Rentnerinnen rosa Kleidung tragen, 60-jährige Inliner fahren, 50-jährige dickbäuchige Herren und Damen Motorrad fahren, und Opas rocken und nicht mehr wissen, wann sie aufhören müssen.
Die These könnte also lauten: Die Alten wollen nicht in „Würde" altern und schon gar nicht sterben, also nähert sich die Jugend auf eine dramatische Art und Weise dem Tod: „Wir zeigen Euch mal, wie man das macht, mit dem Sterben".
Zynismus beiseite: Liest man unsere westliche Kultur kulturtheoretisch als eine Kultur die mittels Technik und Medien eine Kultur ist, die an der Verdrängung der Sterblichkeit „arbeitet", versteht man ein wenig, warum die Alten nicht mehr alt sein wollen und der Jugendkultur scheinbar kein anderer Ausweg bleibt, als in Videospielparallelwelten und Alkoholexzessen ihren Ausweg aus ihrer Not der Abgrenzung zu suchen, denn „Oma fährt im Hühnerstall Motorrad...." (welch vorausblickendes Liedgut).
Wahr ist vermutlich, dass Jugendkultur schon immer risikobereit war und das Alter einst wenig mit Aktion zu tun hatte.
Was hilft? Ein wenig schlägt hier aus meiner Sicht die Stunde der Religion, der Konfessionen im besten Sinne, als Angebot an uns älter werdende Menschen. Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod in einer anderen Dimension in einer anderen Existenzweise. Diese Hoffnung, ohne die die Frage nach dem Sinn unserer Existenz noch schärfer werden würde, könnte uns helfen, das „Altern" von den Zumutungen einer Jugendkultur zu entlasten, ohne dass Lust und Spaß am Leben verloren gehen müssen und dadurch der Jugend wieder Spielräume der Abgrenzung jenseits des Komas und der Exzesse ermöglichen.








