Fortsetzung
Seit sich die Alarmmeldungen von der Klimafront häufen, werden diese historischen Erfahrungen negiert. Im Gegenteil. So arbeiten Stromkonzerne daran, aus dem Rauchgas ihrer fossilen Kraftwerke das CO2 abzuscheiden und in die Erde zu verpressen, zum Beispiel in leer gepumpte Erdgasfelder. US-Forscher schlagen zudem vor, in großer Zahl spezielle Windmühlen in die Landschaft zu stellen, deren Flügel mit CO2 absorbierendem Material beschichtet sind. Sie sollen das Treibhausgas aus der Luft fischen, dann wird es ebenfalls in Kavernen gepumpt. Was passiert, wenn hier was schief läuft, steht nicht auf der Agenda.

Die technologischen Phantasien des 20. Jahrhunderts sind im 21. Jahrhundert sehr lebendig. Immer geht es um eine teleologischen Geschichtsauffassung (griech. "telos", das Ziel). Es geht um die Überzeugung, dass die Zukunft jetzt schon beherrschbar sei oder ohnehin schon feststehe. Das ist eine Handlungs- und Geschichtstäuschung, die an die Zauberlehrlinge im "Faust" von Goethe erinnert.
Aber auch die ökologische Diskussion hat sich mit dem Thema Geo-Engineering zu befassen. Mit dem Projekt "Desertec" soll auf riesigen Flächen zwischen Marokko und Ägypten Solarstrom in der Sahara erzeugt werden. Das ist aus meiner Sicht eine riesige Sackgasse.
Der gegenteilige Weg ist der erfolgreichere. Durch den massiven dezentralen Einsatz von Solarenergie kann die Macht der Stromriesen gebrochen werden und auch dem Klima geholfen werden. Die große Chance für Kommunen und Stadtwerke liegt in der regionalen Energieerzeugung aus regenerativen Quellen. Eine dezentrale und von Importen unabhängige klimaschonende Energieversorgung stärkt die wirtschaftliche Wertschöpfung und die Demokratie. Energieversorgung in BürgerInnenhand, das ist eine spannende Zukunft, an der wir arbeiten und unser Geld ausgeben sollten. Und das ist technologisch in den nächsten zehn Jahren möglich und keine größenwahnsinnige Utopie.
Dann, so meine Vision, hat ein neues Zeitalter der Energieversorgung begonnen. Wer will, kann Sie in dem gerade anlaufenden Dokumentarfilm "Die 4. Revolution" anschauen.