Georgs Kolumne

Visionen und Alltag

Fortsetzung

Forschung kostet allerdings Geld. Aber genau diese ist dem Rotstift von Ministerin Aigner zum Opfer gefallen. Ein Tag vor Eröffnung der diesjährigen Biofach forderte Bioland von Agrarministerin Ilse Aigner die Rücknahme der Entscheidung, 3,3 Millionen Euro aus Verpflichtungs-Ermächtigungen für das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) in die Exportförderung umzuschichten. Mit der gestärkten Exportförderung sollen neue Absatzmärkte für die Überproduktion der Intensivlandwirtschaft erschlossen werden. Die Kürzung schwächt dagegen die mageren Forschungskapazitäten für den ökologischen Landbau und trifft die mehrjährigen Forschungsprojekte. Das ist eine Niederlage für die grünen Lobbyisten.


Allerdings hilft es wenig über Politikerinnen und Politiker zu jammern. Es geht auch darum den ökologischen Weinanbau genauer zu definieren, um dann auch wieder in der Politik mehr Schlagkraft, auch im europäischen Rahmen, zu bekommen. Eine internationale Arbeitsgruppe aus Weinwissenschaftlern und Fachvertretern der Öko-Verbände hat einen Vorschlag zu Kellerwirtschaftlichen Richtlinien für die Erzeugung von "Bio - Öko" -Wein erarbeitet (ORWINE-Projekt). Er ist an die EU Kommission übergeben worden und geht dort durch die institutionellen und parlamentarischen Gänge. Die Notwendigkeit für eine Öko-Kellerwirtschaft liegt auf der Hand. Es geht um eine einheitliche und einfach zu erkennenden Deklaration auf der Flasche. Aber die Konfliktlinien sind offensichtlich. Hier nur ein Beispiel: Große Winzer setzen auf den Export und wollen schnell ein einheitliches Label. Kleine Winzer haben Interesse Ihre regionale Verankerung und Ihre Besonderheiten nicht zu verlieren. Es gibt aber auch klare Gemeinsamkeiten, wie den Verzicht auf Gentechnik und die Minimierung von zwiespältigen Mitteln wie Schwefel und Kupfer. Hier ist eine Einigung möglich. Und sie liegt im Interesse von uns Verbrauchern. Vielleicht erlebe ich dann doch noch die Realisierung meiner Träume.

Georg Lutz ist Politologe, lebt in Freiburg und radelt öfters durch die Weinberge im Kaiserstuhl.


Weitere Informationen
www.delinat-institut.org
www.orwine.org