Die Freunde der Atomkraft spüren wieder Aufwind. Nachdem Sie vor zehn Jahren nach jahrelangem, gesellschaftlichen Widerstand den Kürzeren ziehen mussten, wird nun im Zeichen der Klimadebatte die Zukunftsfähigkeit der "grünen" Atomtechnologie angepriesen. Hier gilt es aus vielfältigsten Gründen Halt zu rufen.
Vor zehn Jahren schien die Totenglocke für die Betreiber der Atomkraftwerke zu schlagen. Nach jahrelangem Widerstand, verabschiedete die rot-grüne Bundesregierung mit dem Atomgesetz einen Ausstieg auf Raten aus der Nutzung der Kernenergie. Auch viele andere europäische Länder wie Italien, Österreich oder Schweden beschlossen, ihre Atomkraftwerke abzuschalten und keine weiteren Meiler mehr zu bauen. Schon Jahre zuvor waren Megaprojekte, wie der schnelle Brüter in Kalkar oder die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf von der Agenda genommen worden. Sie waren gesellschaftlich nicht durchsetzbar und den politischen Eliten war auch die theoretische Möglichkeit der Schließung des atomaren Kreislaufs aus den Händen geschlagen worden. Unterstützt wurde das scheinbare Ende der Atomtechnologie durch die gerade noch vermiedene Katastrophe in Harrisburg (1979) und die reale Katastrophe in Tschernobyl (1986). Argumente wie "die Lichter gehen aus", wenn keine Atomkraftwerke gebaut würden, hallten nur noch als hohler Witz durch den politischen Raum.

Gleichzeitig erlebten die regenerativen Energien ihren Durchbruch. Heute ist die Solaranlage auf dem Dach, gerade bei süddeutschen Häuslebauern, fast schon eine Statusangelegenheit. Und die politischen Initiativen, wie die Stromrebellen aus Schönau, sind inzwischen professionelle Anbieter von grünen Energien und die Giganten der Energieversorger müssen sich, schon allein aus diesem Grund, ein grünes Mäntelchen umhängen.
Aber wir haben uns zu früh gefreut. Die Betreiber der alten Reaktoren, wehren sich mit Händen und Füssen gegen die Abschaltungen. In den letzten Jahren wurde trotz Ausstiegsbeschluss, kaum ein Meiler abgeschaltet. Kraftwerke wie Biblis kosten wenig und bringen viel Geld für die Betreiber. Gleichzeitig fließen weiter staatliche Forschungsgelder und auch Firmengelder in neue Reaktorlinien und den Fusionsreaktor.